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Gepostet by on Okt 26, 2011 in Technik | 5 Kommentare

Mehr Schlagkraft: Teil 2 – Führhand

In unserem heutigen Artikel der Serie „Verbesserung der Schlagkraft“, beschäftigen wir uns damit, wie du deine Schlagkraft deiner Führhand, also deines Jabs, verbessern kannst.

Deine Führhand, Jab, also bei einem Linksausleger deine linke und bei einem Rechtsausleger entsprechend die rechte Hand, ist eines deiner wichtigsten „Waffen“ in einem Boxkampf.

Gerne wiederholen wir hier nochmal ganz kurz den Unterschied zwischen einem Links- und Rechtsausleger. 80% aller Boxer sind Rechtshänder und boxen somit in der sogenannten „orthodoxen“ Linksauslage. Das heißt, die „schwächere“ linke Hand befindet in der Kampfstellung vor der „stärkere“ rechten Hand. Bei Linkshändern ist alles seitenverkehrt. Doch dazu später mehr.

Kommen wir zurück zu unserem eigentlichen Thema „Verbesserung der Schlagkraft deiner Führhand“.

In unserem Artikel „Verbesserung der Schlagkraft deiner Schlaghand“ (siehe hier), haben wir eingehend beschrieben, dass die hohe Schlagkraft primär aus der richtigen Technik resultiert und das Krafttraining vorerst nicht betrachtet werden soll.

Auch in diesem Artikel werden wir auf die Ausübung der perfekten Schlagtechnik eingehen, um deine Schlagkraft zu verbessern und einige Abschnitte aus dem Artikel „Verbesserung der Schlagkraft deiner Schlaghand“ (siehe hier) wiederholen.

Erfahrungsgemäß brauchst du ca. 6-12 Monate bis du für alle Grundschläge die Techniken so perfekt, lässig, leichtfüßig und flüssig ausführst, um dabei deine gesamte Körperenergie vom kleinen Zeh bis zum Scheitel wie eine Bombe in deinem Schlag explodiert.

Erst dann solltest du über ein Krafttraining für das Boxen nachdenken und dieses Training mit deinem Boxtrainer abstimmen. Gerne stellen wir Interesse einen Artikel mit den richtigen Kraftübungen um deine Schlagkraft zu steigern. Beim Krafttraining in den konventionellen Fitnessstudios werden häufig erst die sichtbaren Muskelpartie wie Brust, Bizep und Trizep trainiert, was zum Beispiel zu einer verkürzten Brustmuskulatur führt und sich dadurch später eine optimale Boxtechnik nicht ausgeführt werden kann. Viele sehen Boxer wie die Klitschko’s oder Felix Sturm, vergessen aber, dass es sich hierbei um perfekte Athleten handelt, die optimal betreut werden.

In deinem eigenen Interesse empfehlen wir dir dringendst dich Anfangs nur auf die Boxtechnik zu konzentrieren und das Krafttraining komplett zu verzichten. Durch das normale Boxtraining bekommst du schon Muckis genug.

Selbstverständlich hast du schon mehrfach gehört / gelesen / gesehen, wie eine gute Boxtechnik auszuführen ist und du weist, das zwischen Theorie und Praxis ein himmelweiter Unterschied besteht (Theoretisch bin ich schon Millionär :)). Daher gehen wir auf die Techniken nochmals ein.

Verbesserte Schlagkraft nur durch Technik, Technik, Technik !

Nach der Newtonschen Mechanik ist Kraft = Masse * Beschleunigung. Wir möchten mit dieser Formel jetzt keine Diskussion unter Physikern entfachen, sondern plakativ darstellen, wie du eine höhere Schlagkraft entwickeln könnt.

Da du im Sparring oder Wettkampf den Parameter “Masse” (ergo dein Gewicht) nicht verändern kannst, musst du am Parameter “Beschleunigung” arbeiten, um deine maximale Schlagkraft zu entwickeln.

Folgende Punkte solltest du generell verstehen, wenn du deine Schlagkraft erhöhen willst:

  • Schnelligkeit ist nicht Kraft – Kraft ist Beschleunigung. Wenn du schnell schlägst, aber du in diese schnellen Schläge nicht dein Gewicht legst, wirst du im Kampf zwar punkten, aber keine harten Wirkungstreffer erzielen.
  • Nutze die richtige Körperrotation um dein Gewicht in den Schlag “legen” können.
  • Verlagere dein Gewicht beim Schlag auf deine Beine. Immer wieder beobachten wir, wie Anfänger und auch Fortgeschrittene ihr Gewicht nicht auf die Beine verlagern. Die Beinmuskeln sind eine der größten Muskeln im Körper, die – bildlich gesprochen – bei der Schlagausführung wie ein Seil ein Katapult (dein Schlag) spannen und wenn diese Seile gelöst werden, dass Katapult mit maximaler Beschleunigung das Geschoss in das Ziel befördert.
  • Bleibe in deiner Distanz. Viele Boxer boxen zu kurz oder zu weit, sodaß ihre Schlagkraft regelrecht verpufft. Stehe ich zu nahe am Gegner, kann ich nur aus den Armen boxen und somit weniger Masse in den Schlag legen. Stehe ich zu weit weg vom Gegner, muss ich mich strecken und kann keinen kontrollierten Schlag landen.
  • Boxe aus verschiedenen Winkeln um mehr Schlagkraft Möglichkeiten zu eröffnen

 

Körperenergie vom Fuß bis zur Scheitel nutzen

Wie bereits oben beschrieben, musst du deine Körperenergie vom Fuß bis zum Scheitel durch eine Körperdrehung perfekt in den Schlag transportieren. Stell dir vor,  dass dein Körper wie Aufziehlkreisel arbeitet. Also ein Kreisel, welches durch eine Schnur aufgezogen wird und sich der Kreisel schneller dreht, je mehr du gleichmäßig an der Schnur ziehst.

Hoffentlich haben wir das richtig wiedergegeben, aber das Prinzip sollte klar sein, nur dass wir beim Boxen die Energie von “unten nach oben” transportieren.

Aufgrund der unterschiedlichen Grundschläge (Gerade, Kopfhaken, Körperhaken, Cross, Aufwärtshaken), stellen wir pro Grundschlag weitere Artikel bereit, wie du deine Schlagkraft verbessern kannst.

Im heutigen zweiten Teil befassen wir uns mit der Schlagkraft deiner linken Führhand, der sogenannte Jab. Für Linkshänder gilt die linke Schlaghand und alle Technik sind entsprechend seitenverkehrt auszuführen.

 

Technik zur Steigerung der Schlagkraft deiner Führhand (Jab)

Die Technik zur Verbesserung der Schlagkraft deiner Führhand (Jab) vom Fuß bis zum Scheitel sollte wie folgt aussehen:

Schuhe:

Immer wieder beobachten wir, dass einige Boxer mit Jogging- oder sonstigen Schuhen ins Training kommen. Boxerschuhe/-stiefel sind extrem leicht und haben eine glatte Fußsohle mit wenig Profil um dir ein leichteres Gleiten/Tänzeln über dem Boden zu ermöglichen.

Sonstiges Schuhwerk ist meist sehr schwer oder haben mehr Profil, welches im Sparring und Wettkampf dir unnötige Kraft aus den Beinen raubt. Wie auch im Handwerk, ist auch hier gutes Werkzeug ihr Geld wert.

Schließlich gehst du ja auch nicht mit Flip-Flops auf Wanderschaft. Marke, Modell und Farbe ist wie immer Geschmacksache. Eine Übersicht über gute Boxschuhe findest du hier.

 

Füße

  • Deine Füße stehen etwas mehr als hüftbreit auseinander und die Fußspitzen zeigen nach vorne
  • Der vordere linke Fuß steht gerade auf dem Boden
  • Die Ferse deines hinteren Fußes ist angehoben (als ob du Stöckelschuhe an hast – Frauen haben hier einen Vorteil ;)), sodass du hinten auf den Fußballen stehst
  • Deine Führhand beginnt praktisch bei deinen Füßen. Bei der Schlagausführung bleibt dein linker Fuß komplett auf dem Boden und dein rechter Fuß dreht sich auf den Fußballen ganz leicht nach rechts. Durch diese Bewegung wird es dir leichter fallen, dein Gewicht besser in den Jab zu legen (siehe auch Hüfte).

 

Beine

  • Du stehst, wie immer, mit leicht angewinkelten Knien und dein Gewicht ist auf beide Beine gleichmäßig verteilt.
  • Um mehr Schlagkraft in die Führhand zu bekommen, muss bei der Schlagausführung das gleichmmäßig verteilte Gewicht über beide Knie, etwas mehr nach rechts vorne zur Körpermitte verteilt werden. Hierzu empfehle ich das linke Knie leicht nach rechts zu “kippen” und dabei den Körper einen Hauch mehr nach vorne zu verlagern.

 

Hüfte

  • Zeitgleich mit der Schlagausführung und Gewichtsverlagerung dreht sich deine linke Hüfte nach rechts Richtung Gegner, als ob du versuchen würdest, deinen Gegner mit den Hüften zu schlagen

 

Oberkörper

  • Mit der Hüfte dreht sich auch dein Oberkörper rechts rum, um deine Schulter besser mit in den Schlag zu werfen.
  • Ein gute Körperdrehung in der Halb-/Kurzdistanz trifft härter als eine halbe Körperdrehung aus der Distanz
  • Dein Oberkörper beugt sich nicht nach vorne. Versuche dich nicht nach vorne zu lehnen, da du sonst dein Gleichgewicht verlierst. Besser ist es den Körper mehr zu drehen

 

Ellenbogen

  • Deine Ellenbogen liegen eng an den Rippen an. Oft beobachten wir, dass die Ellenbogen weit vom Körper wegstehen und somit eine ideale Trefferfläche für Körperhaken bieten. Ein Leberhaken und eine geprellte Rippe ist sehr schmerzhaft. Ich spreche aus Erfahrung Besser Boxen | icon sad Mehr Schlagkraft: Teil 2   Führhand
  • Während der Körperrotation nach rechts bleiben deine Ellenbogen eng am Körper. Etwa auf halber Körperrotationshöhe geht dein linker Ellenbogen gerade noch vorne.
  • Achte dabei, dass dein Ellenbogen nicht nach außen zeigt, sondern eher nach unten. Denn wenn du dein Gegner nicht in deiner optimalen Distanz treffen solltest, geht die Energie immer noch zum Gegner hin, als über den nach außen angewinkelten Ellenbogen, weg vom Gegner

 

Schultern

  • Zwischen den Schlägen sind deine Schultern relaxt und nicht angespannt
  • Versuche während des Schlages deine Schultern leicht nach oben zu ziehen. Durch die zusätzliche Schultermuskulaturanspannung verleihst du deiner Führhand mehr Kraft
  • Beim Jab sind die Arme ausgestreckt und deine linke Schulter berührt dein Kinn.

 

Arme

  • Deine Arme sind locker und entspannt in der Kampfposition
  • Während deine Hüfte, Körper und Schultern sich nach rechts drehen und deine linke Schulter immer mehr zum Gegner zeigt, geht hierbei zeitgleich dein Arm gerade nach vorne
  • Die Armbewegung ist fast so, als ob du ein Hebel nach oben bewegen würdest
  • Wenn du dein Jab schlägst, musst du die richtige Distanz haben. Das heißt dein linker Arm muss beim Schlag fast komplett ausgestreckt sein

 

Hände/Fäuste

  • In der Kampfstellung sind deine Hände entspannt und locker. Die linke ist locker vor deinem Kinn oder besser noch an deiner linken Schläfe, die rechte am rechten Kinn
  • Wenn du dein Jab schlägst, bleibt deine Rechte am Kinn und dein rechter Ellenbogen immer am Körper
  • Deine linke Faust bleibt senkrecht und dreht sich kurz vor dem Treffer waagrecht
  • Die Hand ist komplett ausgestreckt und nicht angewinkelt.
  • Nach dem Schlag geht deine linke Faust wieder zurück in die Ausgangsposition

 

Kopf/Augen

  • Atme aus bei jedem Schlag am Besten laut aus. Ganz gleich ob du zuschlägst oder selbst schlägst. Immer wieder beobachten wir im Training, dass viele so leise wie in einem Meditationsseminar ein- und ausatmen
  • Deine Augen sind immer auf dein Gegner fixiert. Wie ein Raubtier seine Beute nicht aus den Augen lässt, um im richtigen Moment zuzuschlagen. Die Schläge die man nicht sieht, sind am härtesten und Schläge die ins Leere gehen, kosten eine Menge Kraft
  • Klemme dein Kinn an die Brust und am besten trainierst du das, wenn du mit einem Tennisball etwas Schattenboxen übst.
  • Dein Kopf neigt sich beim Schlag nicht Richtung linke Schulter, sondern bleibt komplett gerade. Auch dreht sich dein Kopf beim Schlagen nicht nach rechts weg. In diesem Fall würdest du dein Kinn für einen Konter öffen.

 

Stellen wir uns diese Technik wie folgt vor, dass wir mit links eine schwere Kugel aus dem Stand wegstoßen wollen. Hierbei müssen wir Hüfte, Schulter, Oberkörper und Arme wie ein Aufziehkreisel schnell nach vorne katapultieren, bleiben aber in mit unseren Füßen in der Ausgangsposition.

 

Noch mehr Schlagkraft in deiner Führhand (Jab)

Um deinem Jab noch mehr Power zu geben, gehe synchron mit dem Schlag ein Schritt vorwärts.

Den Schritt führst du aus, indem dein linker Fuß bei der Schlagbewegung mit nach vorne geht und ganz kurz vor dem Treffer zum Stehen kommt. Deinen rechten hinteren Fuß ziehst du einfach gerade nach vorne nach. Somit bist du einen Schritt mit dem Schlag nach vorne gelaufen und hast kurz vor dem Treffer deinen Stand gefestigt.

 

Allgemeine Fehler

  • Beide Füße bleiben bei der Ausführung (von Anfang bis zum Ende) sind auf dem Boden. Dadurch kannst du deine Masse nicht optimal ins Ziel katapultieren
  • Durch eine zu große Distanz lehnt man sich automatisch nach vorne und der hintere Fuß verliert den Bodenkontakt. Dadurch wird dein Schlag unkontrolliert und du bist offen für ein Konter
  • Durch eine zu kurze Distanz, kannst du dein Gewicht nicht optimal in den Schlag legen und boxt somit nur aus deinen Armen. Das Boxen aus dem Armen sollte lediglich dazu dienen, dich aus einer brenzligen Situation zu befreien (Ringecke), die Schläge des Gegners zu stören oder den Gegner zu locken.
  • Vergiss nicht die Führhand zu schlagen –  Nur so kannst du deinen Gegner auf Distanz halten, selbst deine ideale Schlagdistanz finden, den Gegner für die rechte Gerade “vorbereiten”. Deine Führhand “öffnet” somit deinen Gegner
  • Boxe nicht zu schnell, da du sonst dein ganzes Pulver in der ersten Runde verschießt. Gehe mit deiner Kraft sparsam um
  • Gewöhne dir keine schlechten Boxtechniken an. Insbesondere wenn du siehst, wie andere Boxer die Hände baumeln lassen oder exzellente Nehmerqualitäten haben und nur Konterboxer sind.

 

Im nächsten Artikel zum Thema “Verbesserung der Schlagkraft“ des beschäftigen wir uns mit dem linken Kopfhaken.

 

Viel Spaß beim Training

Marc und Ahmet

 

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5 Kommentare

  1. Hallo ich wollte nur mal anmerken dass ich Rechtsausläger bin und meine Führhand meine linke Hand ist . Es wäre nett wenn ihr dazu schreiben würdet dass Rechtsausläger andere Bewegungen machen müssen als Linksausläger .

    • Hi Rafo,

      Da hast du vollkommen recht. Wir schreiben die Artikel für unseren Großteil unserer Leser (Linksausleger) und werden versuchen darauf in Zukunft besser zu achten.

      Leider müsst ihr Rechtsausleger alle Übungen spiegelverkehrt ausführen.

      Wie gesagt, wir werden darauf in Zukunft mehr achten.

      Viele Grüße
      Ahmet

  2. Hallo,
    hier steht ” Bei der Schlagausführung wird dein linkes Knie leicht nach rechts gedreht und der linke Fuß bleibt fest und stabil mit der ganzen Sohle am Boden ”

    Muss das nicht heißen das, dass rechte Knie leicht nach rechts gedreht wird ?
    Wenn ich mit meinem linken Fuß stabil stehe kann ich ja das Knie nicht drehen oder ?

    • Hallo,

      “rechts drehen” kann misverstanden werden und ich glaube wir beide meinen das Gleiche. Um mehr Schlagkraft in die Führhand zu bekommen, muss bei der Schlagausführung das gleichmmäßig verteilte Gewicht über beide Knie, etwas mehr nach rechts vorne zur Körpermitte verteilt werden. Hierzu empfehle ich das linke Knie leicht nach rechts zu “kippen” und dabei den Körper einen Hauch mehr nach vorne zu verlagern.

      Ich werde den Artikel entsprechend anpassen.

      Danke für den Hinweis

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